geerbtes Besteck, ein alter Ring oder eine Schmuckschatulle vom Dachboden: Bei vielen älteren Gegenständen stellt sich irgendwann die Frage, ob sie tatsächlich aus Silber bestehen oder lediglich versilbert sind.
Auf den ersten Blick ist der Unterschied häufig kaum zu erkennen. Beide Varianten können den charakteristischen Silberglanz besitzen und auch ältere Stücke können hochwertig verarbeitet sein. Für den Materialwert macht es jedoch einen erheblichen Unterschied, ob ein Gegenstand aus einer Silberlegierung besteht oder lediglich eine dünne Silberschicht trägt.
Wir zeigen, worauf Sie achten können und wann sich eine professionelle Prüfung lohnt.
Sie haben alten Silberschmuck, Silberbesteck oder geerbte Silberstücke und möchten wissen, was sich dahinter verbirgt? Bringen Sie Ihre Stücke zu Brune und lassen Sie diese fachkundig prüfen und bewerten. Wir beraten Sie transparent zu Material, Wert und den Möglichkeiten eines Silberankaufs.
Was bedeutet „echtes Silber“?
Bei Silberschmuck handelt es sich üblicherweise nicht um reines Silber. Feinsilber ist vergleichsweise weich und wird deshalb für viele Schmuckstücke mit anderen Metallen legiert.
Der Feingehalt gibt an, wie viel Silber in einer Legierung enthalten ist.
Typische Kennzeichnungen sind beispielsweise:
- 925 – 92,5 % Silber
- 835 – 83,5 % Silber
- 800 – 80 % Silber
Besonders 925er Silber, auch Sterlingsilber genannt, ist heute bei Schmuck weit verbreitet.
Was bedeutet versilbert?
Ein versilberter Gegenstand besteht im Kern aus einem anderen Material. Lediglich die Oberfläche wurde mit einer Silberschicht versehen.
Optisch kann hochwertig versilbertes Besteck echtem Silber sehr ähnlich sehen. Der entscheidende Unterschied liegt im Material: Bei massivem Silber besteht ein großer Teil des Gegenstands aus einer Silberlegierung, während bei versilberten Objekten nur die äußere Beschichtung Silber enthält.
Das wirkt sich entsprechend auf den reinen Silberwert aus.
Welche Stempel weisen auf echtes Silber hin?
Der erste Blick sollte häufig einer vorhandenen Punze gelten.
Bei Schmuck befindet sie sich beispielsweise auf der Innenseite eines Rings, am Verschluss einer Kette oder an einer unauffälligen Stelle des Schmuckstücks.
Kennzeichnungen wie 800, 835 oder 925 können Hinweise auf den jeweiligen Silberfeingehalt geben.
Allerdings sollte eine Punze immer im Zusammenhang mit dem gesamten Gegenstand beurteilt werden. Gerade bei älteren oder ausländischen Stücken existieren zahlreiche unterschiedliche Kennzeichnungssysteme.
Was bedeuten 90 oder 100 auf Silberbesteck?
Hier entsteht besonders häufig Verwirrung.
Zahlen wie 90 oder 100 auf Besteck bedeuten nicht automatisch, dass das Stück zu 90 beziehungsweise 100 Prozent aus Silber besteht.
Solche Angaben begegnen einem häufig bei versilberten Bestecken und beziehen sich auf die Versilberung beziehungsweise das verwendete Beschichtungssystem.
Wer beispielsweise ein altes Besteck mit der Kennzeichnung „90“ findet, sollte daher nicht allein aufgrund der Zahl von massivem Silber ausgehen.
Ist Silber ohne Stempel automatisch unecht?
Nein.
Eine fehlende Punze ist kein sicherer Beweis dafür, dass ein Schmuckstück nicht aus Silber besteht.
Gerade bei älteren, handgefertigten oder stark getragenen Schmuckstücken kann eine Kennzeichnung fehlen oder kaum noch lesbar sein. Auch Reparaturen und Umarbeitungen können die ursprüngliche Kennzeichnung beeinflusst haben.
Deshalb sollte bei interessanten oder möglicherweise wertvollen Stücken nicht allein anhand eines fehlenden Stempels entschieden werden.
Kann man echtes Silber mit einem Magneten erkennen?
Silber selbst ist nicht ferromagnetisch. Ein Magnettest kann deshalb einen ersten Hinweis liefern.
Wird ein vermeintliches Silberstück deutlich von einem Magneten angezogen, spricht dies dafür, dass andere Metalle enthalten sind.
Der Umkehrschluss funktioniert allerdings nicht: Nur weil ein Gegenstand nicht magnetisch ist, muss er noch lange nicht aus Silber bestehen.
Viele andere Metalle und Legierungen reagieren ebenfalls nicht oder nur schwach auf einen Magneten.
Der Magnettest eignet sich daher höchstens als erste Orientierung.
Was verraten Gebrauchsspuren?
Bei versilberten Gegenständen kann sich die äußere Silberschicht mit der Zeit abnutzen. Besonders an stark beanspruchten Stellen kann dann ein andersfarbiges Grundmaterial sichtbar werden.
Typische Bereiche sind beispielsweise:
- Kanten,
- Griffe,
- Verschlüsse,
- erhabene Verzierungen,
- häufig berührte Oberflächen.
Solche Stellen können auf eine Versilberung hindeuten.
Bei Schmuck sollte allerdings nicht bewusst an der Oberfläche gekratzt oder gefeilt werden, um das Material zu prüfen. Dadurch können Sie ein möglicherweise wertvolles Stück unnötig beschädigen.
Warum der Unterschied beim Silberverkauf wichtig ist
Wer Silber verkaufen möchte, sollte möglichst genau wissen, welches Material tatsächlich vorliegt.
Bei massivem Silber sind insbesondere Feingehalt und Gewicht wichtige Faktoren für den Materialwert. Bei versilberten Gegenständen ist dagegen nur eine vergleichsweise geringe Menge Silber vorhanden.
Darüber hinaus sollte nicht ausschließlich der Materialwert betrachtet werden. Je nach Objekt können auch andere Faktoren eine Rolle spielen, beispielsweise:
- Hersteller oder Manufaktur,
- Alter,
- Seltenheit,
- Erhaltungszustand,
- handwerkliche Verarbeitung,
- Design,
- vorhandene Edelsteine.
Ein interessantes Schmuckstück vorschnell ausschließlich nach seinem Gewicht zu beurteilen, kann deshalb zu kurz greifen.
Besonders bei Erbstücken lohnt sich ein genauer Blick
Silber wird häufig über Generationen weitergegeben. Dabei wissen die neuen Besitzer oftmals gar nicht genau, was sich in der Schmuckschatulle oder im Besteckkasten befindet.
Zwischen Modeschmuck und versilberten Gegenständen können sich durchaus hochwertige Silberstücke befinden.
Bevor ältere Stücke entsorgt oder verkauft werden, kann daher eine fachkundige Einschätzung sinnvoll sein.
Echtes Silber professionell prüfen lassen
Punzen, Magnettest und sichtbare Gebrauchsspuren können erste Hinweise geben. Eine zuverlässige Materialbestimmung ersetzen sie jedoch nicht.
Wer genau wissen möchte, ob ein Gegenstand aus Silber besteht und welchen Feingehalt er besitzt, sollte ihn professionell prüfen lassen.
Das gilt insbesondere dann, wenn Sie Silber verkaufen möchten oder ein Erbstück besitzen, dessen Herkunft und Wert unbekannt sind.
Fazit: Nicht alles, was silbern glänzt, ist massives Silber
Der Unterschied zwischen massivem Silber und versilberten Gegenständen ist mit bloßem Auge nicht immer eindeutig erkennbar. Punzen wie 925, 835 oder 800 können wichtige Hinweise liefern, während Kennzeichnungen wie 90 oder 100 bei Besteck häufig in einem anderen Kontext stehen.
Wer Gewissheit über Material und Wert haben möchte, sollte sich deshalb nicht ausschließlich auf einzelne Heimtests verlassen.